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Die nächste Reise en-femme: Hawaii

30 Dez

Nach Burning Man ging es weiter nach Hawaii. Und natürlich immer als ich. Einzige kritische Momente sind die Passkontrollen oder wenn man ein Auto mietet. Wobei letzteres immer mehr auch an Automaten geht. Die finale Führerscheinkontrolle wird damit auf ein Minimum reduziert.

Auf Hawaii habe ich eine alte Freundin getroffen. Wir hatten uns seit Jahren schon nicht mehr oft gesehen. Aber nachdem sie wieder Single war hatte sich das geändert. Nein, da läuft nix, und trotzdem schön alte Freunde wieder öfter zu sehen. Aus öfter wurde schnell ein Spontanurlaub auf Hawaii. Super entspannend, und ich super happy. Hey, es ist Hawaii – da kann man eigentlich nur gut gelaunt sein. Wir hatten eine Menge Spass und haben einiges gesehen, inkl. Lava und Surfen.

Und ich hab eine meiner liebsten Menschen wieder getroffen. Sie war mein erstes richtiges Outing. Sie hat mich genommen wie ich bin und nur durch sie hatte ich den Mut für alles was danach kam. Ihr werde ich immer dankbar sein. Und da sie Medizin studiert hat hatten wir auch über mein OP-Thema gesprochen. Es tut gut darüber zu sprechen. Sonst spielt sich dass alles meist mehr in meinem Kopf ab. Zu einer Entscheidung hat es aber immer noch nicht geführt. Das am Strand im Mondschein auf Hawaii war, hatte da auch nichts dran geändert 😀

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Die nächste Reise en-femme: Burning Man

29 Dez

Mit meinem neuen Namen im Gepäck ging es wieder über den großen Teich. Fliegen ist inzwischen ein klacks für mich. Um nervige Fragen zu minimieren bin ich meist nicht über-femme, sondern einfach mit Jeans und Top. Das geht eigentlich ganz gut. Aber beim Abflug hatte es trotzdem für ein »das sind doch nicht sie?« und einem tiefen »dooooch« geführt. Etwas dass mich früher noch mehr aus der Ruhe gebracht hätte, aber jetzt geht es eigentlich. Schließlich ist am Horizont schon die Namensänderung. Der Name jedenfalls ist klar.

San Francisco und Burning Man waren mal wieder ein Traum. Es ist einfach unbeschreiblich und ich werde es einfach nicht weiter versuchen zu beschreiben. Fahrt hin. Gerade wenn ihr mit trans* und gender und egal was zu kämpfen habt. Fahrt hin, genießt die Freiheit, und lernt euch selbst näher kennen. Jedes mal neu, wohlgemerkt.

Ich hatte dieses Jahr auch ein bisschen Traurigkeit im Gepäck. Mein Opa war ja verstorben und ich hab die Gelegenheit nochmal genutzt mich von ihm zu verabschieden – Frieden zu finden mit dem was er uns da hinterlassen hat. Das war wunderschön befreiend, und dennoch hat mich die seit Wochen im Hintergrund schleichende Traurigkeit begleitet. Meine Beginn-Life-Crisis wie ich sie schonmal genannt hatte. Trotz all der tollen Dinge die mir wiederfahren sind, die ich erleben durfte und wie toll alles geklappt hat, trotzdem war ich etwas angeschlagen. Das »was kommt jetzt?« hing ganz groß über mir. Und ein bisschen Hoffnungslosigkeit was denn kommen könnte.

So sind sie, diese stillen Momente bei Burns. Man denk nach und kommt tiefer als man vorher dachte. Mal wieder kam auch mein Sommer-Thema mit ins Spiel: die OP. Oder wie ich inzwischen einfacher dachte „Vagina, oder nicht Vagina“. Die Burning Man Antwort war mal wieder ein Ja. Irgendwie macht auch nichts anderes Sinn. Das Ding da unten hat jedenfalls keinen großen Nutzwert mehr. Es stört mehr. Es gehört zu mir, aber es stört und fühlt sich falsch an. Es schränkt mich ein und hält mich zurück. Es stimmt einfach nicht. Aber eine Entscheidung war das noch nicht nicht…

Burning Man und die Frage nach dem Abschied

21 Sep

Ja, dieses Jahr war es wieder soweit. Ich war bei Burning Man. Und ich werde einfach nicht wieder davon schwärmen wie toll es ist – für Genderqueers, Trans* und alle anderen Menschen. Es ist es einfach und ich kann es nur empfehlen. Dieses mal möchte ich davon erzählen welche Frage ich dort gefunden habe, mir gestellt hatte und letztendlich eine Antwort gefunden habe. Es war die Frage nach dem Abschied.

Um zu erklären was ich damit meine und wie ich darauf gekommen bin muss ich kurz ausholen. Ich bin wieder mit meinem Bruder zum Burn gefahren, nur diesmal hatten wir zwei langjährige Freunde dabei. Geortet habe ich mich schon vor unserer Abreise. Einmal einige Monate und einmal wenige Wochen zuvor. Es war ein eher theoretisches Outing – so wie sie alle sind. Also ich erzähle davon, von mir, wie es mir geht und beantworte aufkommende Fragen so gut es geht. Danach ist meist allen halbwegs klar um was etwas geht. Nicht in jedem Detail, aber ich glaube dass es genug ist um zu erahnen was es bedeutet.

Wir sind über Las Vegas zum Burn gefahren. Und die ersten Tage waren nicht ganz einfach. Zum einen wollte ich unbedingt ganz ich sein, aber konnte es noch nicht so ganz. Bei Reisen mit Passkontrollen fühl ich mich noch immer männlich-androgyn sicherer. Reservierungen am Hotel die auf Namen gehen und das selbige für Wohnmobile erzeugen das gleiche. Ich hab da immer noch eine Scheu davor. Und das Resultat war natürlich auf anderer Ebene nicht ganz so einfach. Nämlich dass ich nicht wirklich eindeutig weiblich aufgetreten bin. Meine Freunde versuchten aber schon sich an selbiges zu gewöhnen. In keinster Weise dass das etwas schlechtes ist. Aber es braucht halt einfach etwas sich an einen anderen Namen und andere Pronomen zu gewöhnen. Über das Engagement war ich jedenfalls sehr positiv überrascht 🙂 Musste aber auch verständlicherweise hören dass es einfacher wäre wenn ich eindeutiger auftreten würde. Etwas dass ich nach den offiziellen Reservierungszeugs auch endlich machen konnte.

Nun die Frage nach dem Abschied kam da noch nicht auf, aber schon ein paar Tage später. Inzwischen waren wir in Black Rock City angekommen und hatten gerade die ersten ein-zwei atemberaubende Nächte hinter uns. Wir saßen vor dem Schlafen in unserem Dome und haben uns etwas unterhalten. Irgendwann über mich, Transsexualität und was das alles so bedeutet. Meine beiden Freunde hatten mir wieder ein paar Fragen gestellt, ich geantwortet und irgendwann haben sich die beiden darüber unterhalten. Und da viel ein unscheinbarer Satz der mich zum Nachdenken (das ist gut 😉 ) gebracht hatte. Und zwar sagte einer der beiden „Für mich ist <männlicher Name> nicht da, er konnte nicht und dafür ist eben Amelie da, und das ist gut so.“. Wie ich finde ein durchaus schöner Satz und eine schöne Botschaft – die auch durch mehr als nur diesen rausgepickten Satz rüberkam.

Ich hab angefangen darüber nachzudenken was er für mich bedeutet. Und letztendlich mündeten diese Gedanken in der Frage ob ich mich von meinem „alten“ männlichen Ich verabschieden sollte oder gar muss. Es war die Frage ob es „ihn“ nicht mehr gibt wenn „sie“ da ist. Ob es besser ist, für mich und für andere. Ob es leichter zu verstehen ist, ob man leichter damit umgehen kann – also ob man leichter „sie“ akzeptieren kann. Akzeptieren im Sinne von Umstellung in Sprache und Denkweise. Vom „er“ zu „ihr“, von Bruder zu Schwester, von Freund zu Freundin, von Mann zu Frau. Ich denke ja – es ist einfacher. Und am selben Abend bzw. der ausklingenden Nacht saß ich nun da und wurde traurig. Ich bekam das Gefühl jemanden zu verlieren. Jemand der mir nicht unwichtig ist. Jemand der ein großer Teil meiner Selbst ist. Jemand der meine Geschichte ist. Jemand der ich bin.

Die Frage hat mich dann über die gesamte Woche nicht losgelassen, bzw. mich immer wieder eingeholt. Es gab noch viele andere Themen, auch bezogen auf trans* und Identität. Zum Beispiel die Frage ob ich Männer küssen würde? Ich hab’s getan um es auszuprobieren. Ein französischen Kuss mit einem Franzosen, das war es wert *g. Allerdings auch eine Bestätigung dass ich Männer nun doch nicht noch öfter küssen möchte. Also ich wusste das. Allerdings gab es ein paar andere des männlichen Geschlechts die das anders sahen und ich leider enttäuschen musste. Eine andere Frage war die Frage nach meiner grundsätzlich romantischen-sexuellen Ausrichtung. Das mal in aller Ruhe ergebnisoffen durchzudenken war wirklich interessant. Auch wenn ich auf die gleichen Antworten wie schon so oft gekommen bin. Männer-Männer gehen gar nicht. Aber wir leben ja auch nicht hier im Schwarz-Weiß, also wo liegt die Grenze? Die Antwort ist unterschiedlich. Nüchtern betrachtet stehe ich ganz klar auf feminine Körper, ich hab einen Kinderwunsch und emotional wäre es eigentlich egal – bisher aber immer Frauen. Romantisch wäre mit sehr femininen Männern vorstellbar, sexuell reicht das nicht aus. Und letztendlich hängt es dann doch einfach von der Person ab. Ob nun Frau, Mann, Transmann, Transfrau, Genderqueer oder ganz anders – entscheidend ist die Liebe. Um das mal geklärt zu haben.

Zurück zu meiner für mich erstmal viel wichtiger Frage. Muss ich mich von meinem alten männlichen Ich wirklich verabschieden? Das wär schade, denn ich glaube „er“ ist ein wirklich netter Kerl. Und auch wenn „er“ bleiben keine Option ist, ihn ganz loszuwerden fühlt sich ein bisschen wie töten an – krass ausgedrückt.

Das wunderbare an Burning Man ist dass man unheimlich viel und intensiv nachdenken kann. Es gibt so viele Möglichkeiten Dinge direkt auszuprobieren, so viele einzigartige Eindrücke die auf einen Einprasseln, aber das Nachdenken ist für mich das Tollste. Es fühlt sich manchmal ein bisschen wie Schummeln an. In so kurzer Zeit komm ich mit meinen Gedanken so viel weiter. Egal wie komplex und intim und weitreichend die Fragen sind, am Ende der Woche sind sie häufig beantwortet. Und so war das auch mit dieser Frage, am letzten Tag hatte ich die Antwort. Es war der Tempel-Burn und als ich vor dem Feuer stand, mit tausenden Menschen um mich herum die ebenfalls mit Tränen in den Augen ähnliches taten, wurde es mir klar. Es war plötzlich völlig klar und die Erleichterung brachte ein paar Tränen in die Augen. Ich war erleichtert weil ich eine Antwort gefunden habe. Und die Antwort war: Nein, ich muss mich natürlich nicht von meinem alten männlichen Ich verabschieden. Es gibt kein männliches oder weibliches Ich von mir. Es gibt nur mich. Und beide Teile sind ein berechtigter Teil von mir. Nur durch beide Teile bin ich ein Ganzes. Und ohne meine männlichen Anteile wäre ich nicht der Mensch der ich eben bin.

Klar wäre es einfacher, aber seit wann geht es um einfacher? Es geht um ehrlicher mit sich selbst und allen anderen zu sein. Und wie genau sich diese Erkenntnis dann auf meinen Alltag auswirkt das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber es hat mich verändert. Wie? Nun ja, auf der Hinreise hatte ich mir noch immer Sorgen über alles mögliche gemacht. Ich wollte meine Kreditkarte nicht benutzen – da steht ja der männliche Name drauf. Ich wollte nicht weiblich durch Zoll und Passkontrollen. Ich wollte nicht dass man durch so etwas dämliches wie eine Karte oder Pass erkennen dass ich womöglich nicht ganz Frau bin. Aber wisst ihr was, ich hatte immer noch Make-up, BH, Top, enge Jeans an und meine Handtasche umhängen als ich die USA verlassen hatte. Und wisst ihr noch was? Es war kein Problem, nur der Name im Pass musste zum Namen auf dem Ticket passen. Und das letzte Abendessen am Flughafen? Das hab ich mit Kreditkarte bezahlt. Und wieder zu Hause das Dirndl? Mit EC-Karte im C&A. Das Dirndl umtauschen? Mit EC-Karte im C&A. Das andere Dirndl kaufen? Mit EC-Karte in einem kleinen Laden am Rande der Stadt. Und war es ein Problem, natürlich nicht 🙂 Das war es nur in meinem Kopf, und mit etwas Hilfe vom Burn hab ich jetzt auch diese Blockade durchbrochen. YAY!