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Ein Brief an einen Freund

19 Jun

Wir hatten uns lange nicht gesehen. Und es ergab sich dadurch nie die Gelegenheit über mich zu sprechen. Jetzt 5 Jahre später hatten wir uns wieder gesehen. Und ja, meine Erscheinung ist wohl doch etwas anders als damals 😀

Er hat etwas zu knabbern an der Sache, aber tun wir das nicht alle?

[…]

Ich kann dich beruhigen.. die Akzeptanz, das Verständnis und die Toleranz die mir entgegnet wird ist derartig überwältigend dass es mir schwer fällt es in Worte zu packen. Mein Leben lang habe ich einen Teil von mir versteckt, vor anderen und auch vor mir selbst. Aus Scham, aus eigener Intoleranz gewachsen aus Unwissenheit und bis heute fehlenden Vorbildern die wirklich das wiedergeben dass ich wirklich bin.

Der schwierigste Teil dieser letzten Jahre waren nicht die anderen Menschen. Der schwierigste Teil war ich selbst. Angefangen von Selbstakzeptanz bishin zum Abbau von negativen Vorausahnungen wie andere wohl reagieren würden. Sie haben alle toll reagiert. Und auch wenn sie oder du vielleicht anfangs etwas an der Erkenntnis zu knabbern haben. Einfach nur weil man nicht weiß wie man damit umgehen soll. Weil man es einfach nicht kennt in unseren engstirningen Welt. So haben es alle deutlich schneller geschafft als ich selbst. Und vielen ist wohl bewusst dass es sie doch eigentlich gar nicht betrifft. Die Probleme und Herausforderungen liegen doch zu einem viel größeren Teil bei mir.

Ich habe gerade innerhalb der ersten zwei Jahre mich mehr mit meiner inneren Psyche und Identität beschäftigen können, als es viele sich in unserer Welt heute ihr ganzes Leben überhaupt trauen. Es ist viel einfacher sich den vorgegebenen Rollen anzupassen, sich anzugleichen und einfach dahin zu leben. Der Mut sich in das eigene Spiegelbild zu schauen und alles dies vorgegebene in Frage zu stellen, über Bord zu werfen, abzuschälen und die Person zu sehen die man eigentlich ist.. Dieser Mut ist nicht leicht. Und ich hab ihn mir nicht ausgesucht. Ich kam nicht mehr herum, mir blieb nichts anderes mehr übrig.

Wenn du den Moment erreicht hast an dem du die Selbstlüge nicht mehr erträgst. Dann wenn du jedes mal leidest wenn dich nach außen anders gibst. Dich verkleidest und anderen diese lebenslange Lüge vorspielst. Dann wenn du zu Hause zusammenbrichst weil dir das alles zu viel wird. Dann wenn du es nicht mehr wegdrücken kannst, es vor dir selbst zu verstecken. Wenn du gezwungen bist dich selbst als du selbst zu akzeptieren. Dann bist du an dem Punkt an dem Mut keine Rolle mehr spielt. Entweder man kämpft endlich dagegen an, oder wartet weitere Jahrzehnte in denen sich nichts ändert, außer das alles schwieriger wird.

Ich hatte nun also das Glück die eigene Lüge noch rechtzeitig zu durchdringen. So das ich mein Leben nun frei genießen kann. So das ich meinen Liebsten und Freunden in die Augen schauen kann ohne zu lügen. Und sie mich sehen, und nicht dieses seit kleinem perfekt eingespielte Bild von einer Person die ich nie war. Die vielleicht nett war und angenehm und keine Ahnung was. Aber sie war nur gespielt.. mit einer Perfektion dass ich schon selbst daran geglaubt hatte.

Wenn du mehr von meinem wahren Ich kennenlernen willst würde ich mich rießig freuen. Und scheue dich nicht davor Fragen zu stellen. Würde ich nicht erzählen was wirklich ist. Wie sollt ihr denn dann wissen wie es wirklich ist. Wie sollte sich die Gesellschaft ändern, wenn man die Wahrheit verschweigt und so tut als würde es Menschen wie mich nicht schon seit dem Ursprung der Menschheit geben?

[…]

 

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Eine Midlife-Crisis, wirklich?

20 Jun

Midlife Crisis. Ich glaub ich hab wieder sowas. Oder auch Quarterlife…, Third… wie auch immer. Das ist nicht entscheidend. Es hat sich in den letzten Wochen entwickelt. Erst dachte ich es hängt mit dem Tod meines Großvaters zusammen. Und das war und ist nicht leicht. Aber es geht dabei doch um etwas ganz anderes.

Ebenfalls in den letzten Wochen hatte ich den „Grundstein“ für die letzten verbleibenden Puzzleteile gelegt. Das Outing in der Arbeit vorbereiten. Ich fang wieder eine Festanstellung (mit ganz guten Konditionen *yay) an. Bei einen meiner Kunden, und bevor ich mich dazu entschieden hab, hatte ich mir die Rückendeckung der Chefs geholt. Und sie bekommen – für sie war es selbstverständlich. Stück für Stück hab ich mit meinen engsten Kollegen gesprochen. Ohne Probleme (sind alle sehr jung). Und nächste Woche im monatlichen Meeting werden wir es vorraussichtlich dem Rest mitteilen.

Vor ein paar Tagen hatte ich dann mit meinen Eltern gesprochen. Ihnen erzählt dass ich vorhabe meinen Namen zu ändern, und Personenstand. Und gefragt ob sie sich einen Namen aussuchen wollen. Was soll ich sagen? Sie tun es und machen sich Gedanken. Richtig süß. Natürlich auch mit gemischten Gefühlen, es hat sich aber dennoch gut angefühlt. Genaugenommen hat es sich großartig angefühlt. Vor einem halben Jahr, ein paar Jahren, ja mein ganzes Leben wäre das nicht vorstellbar gewesen. Vorallem auch die Lockerheit des Ganzen.

Wieso also Crisis? Eigentlich ist doch alles perfekt? Wo ist das Problem? Alles Fragen die ich selbst noch nicht ganz verstehe. Nur eins weiß ich. Die letzten 4,5 Jahren hatte ich immer ein Ziel vor Augen. Es war immer da. Es schien unerreichbar. Jeder einzelne Schritt wie ein unüberwindbarer Berg. Einer nachdem anderen und der höchste Punkt dabei einfach nicht abzusehen.

Doch jetzt sehe ich diesen Punkt. Ich kann in absehbarer Zeit zu 99,9% ich sein. Ich hab das Vertrauen und die Unterstützung meiner Familie und meiner Freunde. Ich hab nicht mal jemanden verloren in der ganzen Zeit. Nichts ist so gekommen wie so oft befürchtet. In ein paar Wochen gehe ich vermutlich ohne mich zu verkleiden in die Arbeit. Und ein paar Monate später werde ich meinen neuen Namen im Pass lesen. Nebem einem wunderschönen „W“. Und da ist dieser höchster Punkt dann erreicht. Er nennt sich Normalität. Und das Gebirge das ich überwunden habe wirkt von hier aus nicht mehr so hoch und unüberwindbar wie es schien.

Hey, ich bin frei! Ich hab bald alles erreicht was ich mir an diesem einen Abend im Dezember 2009 noch nicht mal im Ansatz hatte vorstellen konnte. Und jetzt kommt die Crisis. Ich hab es vorhin Midlife-Crisis genannt, eigentlich Quarterlife-Crisis. Letzteres tritt häufig nach dem Studium ein wenn man sich in der Normalität des Arbeitsalltags wiederfindet und nicht weiß wohin es nun gehen soll. Vielleicht ist es in meinem Fall aber eher „Beginlife-Crisis“. Denn mein Leben fängt jetzt erst so richtig an. Und es scheint so vieles geregelt zu sein. Von Freunden und Familie bis hin zum Job. Alles gut. Alles sehr gut. Keine großen Ziele ableitbar. Eine Partnerin das würde noch fehlen, aber nichts was ich unter Kontrolle habe. Und so dümple ich bald auf dem See der erreichten Normalität. Ohne Orientierung, und ohne Ziel. Und mit Problemen die nicht neu sind. Probleme die nichts mehr damit zu tun haben dass ich trans* bin. Ich bin wieder zurück am Start und suche das Ziel.

Zugegeben es macht ein bisschen Angst. Nicht die schlimme Art, aber ein bisschen. Es macht auch ein bisschen deppresiv. Nicht die schlimme Art, aber ein bisschen. Es nimmt etwas Schwung. Nicht schlimm, aber ein bisschen.

Und alles nur weil es endlich wieder normal wird und alles gut ist. Nicht zu perfekt, aber ein bisschen schon.

Glück und wie es sich zeigt

31 Mai

Immer öfter sitze ich nur mit einem breiten Grinsen da. Nicht im jeden Moment nach aussen sichtbar, aber es ist da. Es passiert meistens in diesen Momenten an denen ich fühle dass ich angekommen bin. Angekommen in meinem Leben. In Momenten in denen ich nichts mehr vorspielen muss und ich einfach nur ich bin. Momente die vor nicht allzulanger Zeit so nicht vorstellbar waren. Es passiert dann wenn ich mich mit meinen Freunden im Biergarten treffen und einfach alles normal ist. Die Tatsache dass ich noch vor ein paar Monaten, oder letztes Jahr selbiges nur in meiner „männlichen Verkleidung“ getan hätte. Jetzt spielt es keine Rolle mehr. Und selbst für die die mich das erste mal sehen (es aber wussten) nicht mal eine Bemerkung nötig ist. Dann sitze ich einfach nur da und haben mindestens innerlich ein dickes, breites Grinsen.

Ich habe mich selbst noch nicht ganz daran gewöhnt. Aber an schöne Dinge gewöhnen macht man ja gerne. Und wenn dann meine Freunde über mich als Schwester meines Bruders reden, sie mich als ihre Freundin vorstellen. Dann bin ich doch manchmal noch etwas überrascht. Überrascht und überglücklich. Und das Grinsen lässt sich dann kaum noch verbergen. Wenn auch meine Eltern sich langsam daran gewöhnen und meinen neuen Namen benutzen. Selbst wenn nicht alles richtig ist, jeder kleine Schritt ist wunderschön.

Wie viele mache ich mir viel zu viele Gedanken. Also wirklich vieeeeel zu viele. Was ich mir nicht alles gedacht habe bevor ich einen Schritt gewagt hatte. Es schien oft so wahnsinnig schwierig im vorhinein, und im nachhinein dann doch so einfach. Ein gutes Beispiel von gerade eben. In den ganzen letzten 4 Jahren in denen ich in dieser Wohnung lebe, hatte ich mit keinem meiner Nachbarn darüber gesprochen. Im Treppenhaus ist selten was los, und so bin ich immer.. (4 Jahre -> Immer) Aus dem Haus gekommen und das ich jemanden getroffen habe. Dementsprechend auch nie eine Situation aus der heraus man was hätte erklären können. Das ist ja schön und gut, aber hat letztendlich auch dazu geführt dass ich mich auf diesen ersten und letzten Meter immer unsicher gefühlt habe. Ich wollte ja keine spontanen Erklärungen machen. Egal ob man nun glaubt das sei notwendig oder nicht. Ich würde es tun wollen. Nun ja, und nachdem ich es mir nun schon länger vorgenommen hatte, habe ich eben mit meinem Hausmeister gesprochen. Etwas älter und stammt von weiter weg. Er ist immer sehr nett und dennoch wusste ich nie wie er wohl reagieren würde.. Nja, ganz einfach: „Das ist kein Problem. Jeder ist wie er ist. Das brauchst du mir nicht zu erzählen.“, und schon war die Sache abgehakt. 🙂

Also weniger Sorgen machen und den Menschen schon früher die Chance geben mich kennenzulernen. Hmm.. wobei, viele gibt es nicht mehr denen ich was vorspielen muss. Zielgerade und eben fast schon angekommen.

Danke.

Über Weihnachten

18 Jan

Vor ein paar Wochen war ja Weihnachten. Seit dem bin ich leider nicht wirklich zum Schreiben gekommen, aber da gibt es etwas nachzuholen…

Weihnachten war die letzten Jahre für mich immer eine recht emotionale Zeit. Und zwar ganz auf mich selbst bezogen. Schließlich hatte ja vor 4 Jahren alles kurz vor Weihnachten angefangen. Dadurch hatte ich mich schon in den ersten Tagen damit beschäftigt wie das alles mal funktionieren soll. Genau gesagt konnte ich mir damals in keinster Weise vorstellen was später kommen sollte. Nicht was mit mir ist, und nicht wie Weihnachten 2013 aussehen wird. 4 Jahre vorher war alles noch so unvorstellbar, das Einzige was ich bis dahin kannte war die Verdrängung. Alles wegdrängen, tief in mir verstecken. Am besten so tief dass ich es selbst für ein paar Wochen oder Monate vergesse. Und das immer und immer wieder, solange es sein sollte.

Aber das hatte sich ja plötzlich geändert, und so saß ich da am Weihnachtstisch, neben dem Weihnachtsbaum, hab Geschenke ausgepackt und konnte doch an nichts anderes denken als was kommen wird. Die Jahre darauf stellte sich die Frage ob ich jemals ich selbst sein werde? Auch an Weihnachten, auch in der Familie? Und selbst nachdem Bruder, Mutter und Vater es soweit gut aufgenommen hatten, schien es doch unmöglich und unvorstellbar. Ein ferner Traum der mehr wie eine Fata Morgana am Horizont lag aber nie erreicht werden könnte.

Dieses Jahr (also 2013) geschah allerdings etwas besonderes. Nicht nur dass das ganze Jahr so unvorstellbar gut war und der Herbst überwältigend, sondern auch diese Weihnachtstage mit der Familie. Am 24. Dezember sind wir immer alle zusammen, und ich hatte mir fest vorgenommen meine Tante & Onkel einzuweihen. Ich seh sie nicht oft, eigentlich hauptsächlich an Weihnachten und war mir nicht sicher wie sie reagieren werden. Und nicht nur ich war gespannt, alle die es bereits wussten, wussten auch was ich dieses Jahr vor habe. Eine gewisse Spannung lag also in der Luft. Nicht negativ, nur die kleine Aufregung über das ungewisse was passieren wird. Nachdem Oma und Opa wieder zu Hause waren, waren wir nun unter uns. Mum, Dad, Bruder, Cousin und die beiden. Der Zeitpunkt war gekommen, endlich keine Geheimnisse mehr in der Familie zu haben. (Warum Opa & Oma eine Ausnahme sind, hab ich glaub ich schon mal erklärt)

Zuerst hab ich mich zu meiner Tante in der Küche gesetzt. Sie ist die einzige die raucht und geht daher öfters mal für ein paar Minuten oder länger alleine dahin. (Dunstabzug um den Rauch wegzusaugen). Da hab ich mich neben ihr gesetzt und meine besten Outing-Künste zusammengenommen um ihr zu erzählen was mit mir so vorgeht. Die Reaktion? Hey, perfekt und ein First. Sie meinte sie hätte sich schon länger so was gedacht, und auch schon mit meinem Onkel mal darüber gesprochen. Und das es natürlich kein Problem sei, ganz im Gegenteil. Irgendwann im Gespräch kam meine Mum dazu und wir sprachen zu dritt darüber. Auch das es nicht immer leicht ist. Das wunderschönste dabei war ein Satz der in etwa so ging: „Da haben wir doch noch ein Mädel unter uns.“. Und beide stimmten sich zu dass das etwas wunderschönes ist. Ich für meinen Teil war vor Glück den Tränen nahe und bin’s auch jetzt wenn ich darüber nachdenke.

Etwas später haben alle zusammen geholfen meinen sehr gesprächigen – und daher oft und lang in Gesprächen festsitzenden – Onkel für einen Moment mit mir alleine zu lassen. Auch das war rührend wie alle versucht haben mir zu helfen. (Best Family ever!). Nun ja, das Gespräch selbst ging dann relativ einfach von den Lippen. Schließlich wusste ich ja inzwischen das er mit meiner Tante schon mal darüber gesprochen hatte. Auch hier dementsprechend keine Probleme und für ihn typisch haben wir dann über die Herausforderungen die es mit sich bringt gesprochen. Das es nicht einfach ist, was man alles tun kann/muss/will und das ich immer auf sie zählen kann 🙂

Zu Ende ging der Abend/Nacht dann damit das ich mit meiner Mum bis in der Früh um 6 Uhr da saß, Wein getrunken wurde und wir über alles mögliche gesprochen haben. Unter anderem auch dass das ja alles nicht so schlimm ist. Und andere Dinge die im ersten Moment banaler schienen, tatsächlich doch größere Probleme wären. Wir kamen auch so weit dass sie überlegen es in ihrem Freundeskreis zu erzählen. Etwas das vor ein paar Monaten noch wie ein No-Go für sie schien.

Am nächsten Morgen, dem 1. Feiertag hab ich dann auch gleich vorsichtig etwas mehr von mir gezeigt. Statt Pulli + Jeans hatte ich ein Wollkleid, Strumpfhosen und Stulpen an. Nichts aufregendes aber ein wunderschönes Gefühl. Ich konnte das erste mal in diesen 4 Jahren am weihnachtlichen Frühstückstisch sitzen und einfach nur ich selbst sein. Keine Gedanken und Überlegungen wie es sein könnte, sondern tatsächlich leben wie es ist. Mein Leben mit meiner Familie leben. Nichts verstecken. Nichts verheimlichen. Nichts befürchten. Frei von all diesen Sorgen und wissen das egal was wo und wie auch immer passieren würde, ich die beste Familie habe die ich mir nur vorstellen könnte ❤

 

Grinse Woche – Teil 1

23 Nov

Seit gestern kann ich nicht mehr anders. Ich muss immer wieder grinsen. Ich bin gerade unheimlich glücklich. Angefangen hat es etwa vor einer Woche. Ich war bei Freunden zu Besuch, ein Geburtstag. „Sie wissen bescheid“ usw. aber dennoch war ich mir nicht sicher ob ich nun so wie früher oder wie jetzt kommen soll. Eventuell sind ein paar weitere Freunde da, die davon noch nichts wissen, und ich wollte irgendwie nicht in eine Erklär-Situation kommen. Außerdem ging es an dem Tag ja auch um den Geburtstag von einem meiner besten Freunde, und nicht um mich. Das Resultat war das ich normale, androgyne Kleidung anhatte, kein Makeup, aber Haare offen.

Die Kids kennen mich nur mit meinem androgynen Namen und es macht immer viel Spass mit ihnen zu spielen. Auch deswegen war ich schon etwas früher gekommen. Es ist zwar ein bisschen zweischneidig weil es mich auch daran erinnert was ich nicht habe. Aber im Endeffekt ist der Spass mit den Kleinen zu spielen deutlich größer. Um das andere Problem kann ich mich wann anders kümmern. Nun letztendlich ist niemand gekommen den ich auch kannte, nur eine befreundete Familie von meinem Freund. Wir kannten uns nicht, und das hatte einen interessanten Effekt. Wie ich später am Abend hören durfte, hatten sie im ersten Moment gedacht ich sei eine Frau. (YAY). Darüber hatte ich vorher nicht nachgedacht und meine natürliche tiefe Stimme benutzt. Die verrät natürlich alles. Resultat war ein sehr nettes Gespräch, ein paar Fragen und da ihnen mein androgyner Name nicht gefallen hat, und die weibliche Version von meinem Geburtsnamen auch nicht, haben sie mir einen neuen Namen gegeben „Christine“. Würde ich für mich zwar nicht wählen, aber ich fand das Ganze nur unheimlich süß. Und als am Frühstück die Mutter ab und zu ein „er“ raugerutscht ist – mit sofortiger Entschuldigung – meinte die Tochter nur sag halt einfach „Christine“. Tja, so einfach kann das sein 🙂

Am nächsten Tag ging es direkt weiter zur nächsten Geburtstagsfeier. Nur diesmal wusste ich direkt das jemand kommt die es noch nicht wissen. Ein Pärchen mit Kids und bei ihr machte ich mir keinerlei Sorgen. Nur bei ihm war ich mir nicht ganz sicher. Einer meiner vermeidlichen schwierigeren Fälle. Aber nachdem ich das schon so oft war und so oft es kein Problem war hab ich mich nicht davon abhalten lassen. Und um es kurz zu halten, es war keinerlei Problem. Und meine Outingrate im Freundeskreis nähert sich immer weiter den 100%. So oder so, ein super Wochenende. Zur Woche später mehr.

Was Hormone so tun…

2 Nov

Inzwischen sind knapp über 6 Monate vergangen seit dem ich mit der Hormon-Therapie angefangen hab. Und ja, es macht sich schon bemerkbar :). Angefangen hatte es direkt nach ein paar Tagen mit der abfallenden Libido. Der Unterschied der sich da ergeben hat ist echt gewaltig – so viel zu Testosteron. Andere Änderungen haben aber etwas länger gedauert. So wurde mir nach 1-2 Monaten nachgesagt ich sei ein bisschen zickiger. Dämlich ich weiß, aber sie hatten es mir gesagt ohne dass sie wussten das ich Hormone nehme. Insgesamt bin ich mit der Zeit auch emotionaler geworden, bis hin zu dem Sonntag vor ein paar Wochen. So dramatisch war es aber nur das eine mal. Allerdings pass ich trotzdem auf mich nicht in irgendwelchen Gedankenspiralen zu verlieren.

Und so rein körperlich? Joa, nach 2-3 Monaten haben die Busen sich langsam entwickelt. Erst wurden sie nur sensibler und dann hat sich ganz langsam Stück für Stück das Volumen aufgebaut. Aktuell bin ich bei einem knappen A-Körbchen. Zumindest passt mir der BH bisher am besten. Und wenn ich (wie jetzt) nur ein enges T-Shirt anhabe dann sieht man auch ohne Push-Up dass da was ist. Übrigens ein sicherer Weg mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, ich muss nur runtergucken und schon freu ich mich.

Apropos Gedankenspiralen, das schwierigste Thema ist immer noch die Suche nach einer Beziehung. So wirklich erfolgreich war ich da noch nicht. Wobei das größte Problem immer noch der erste Schritt ist. Ich weiß nicht genau wo ich den Suchen soll. Dazu kommt das ich mich dann zwischenzeitlich wieder in meine beste Freundin vergugg. Aber das Thema haben wir schon öfters durch. Naja, irgendwas wird sich ergeben.

Und hey 🙂 Ich hab einen weiteren kleinen Facebook-Outing Schritt gemacht. Mein Profilbild ist inzwischen ein doch deutlich feminines Foto von Burning Man. Das schönste bisher ist dass ich noch nie soviel Likes auf einem Bild hatte wie auf dem. Von Leuten die „es wissen“ und auch ner Menge anderer. *grins* auch etwas zum happy machen 🙂

Vielleicht so etwas wie ein Buch

25 Okt

Ich hatte ja schon vor längerem mal den Gedanken ein Buch zu schreiben. Damals war es gedacht mir beim Outing in der Familie zu helfen, aber letztendlich ging dass ja dann doch auch anders 😉 Ich würde nachträglich auch sagen dass ein persönliches Gespräch in ruhiger und passender Atmosphäre zu einem Zeitpunkt an dem es sich gut anfühlt definitiv der bessere Weg ist. Nichts desto trotz überlege ich wieder so etwas wie ein Buch zu schreiben.

„So etwas“? Nun ja, ich hab vor es online zu schreiben, ein bisschen wie ein Blog, aber irgendwie auch anders. Inspiriert bin ich da von den Webcomics die ich immer noch regelmäßig lese. Sie sind eine immer fortlaufende Geschichte. Jede Woche 1 oder 2 Panels, je nach Comic. Jede Woche kommt ein Stück dazu. Und genau so würde ich mir das mit dem Buch vorstellen. Ich schreibe jede Woche ein bisschen weiter und es erscheint dann regelmäßig eine neue Seite bzw. Abschnitt. So kann man langsam mitverfolgen wie sich das ganze entwickelt.

Im Unterschied zum Blog würde ich nicht über das schreiben was gerade passiert, sondern eher wie es dazu kam dass ich bin wo ich jetzt bin. Das meine Kindheit ganz normal und wenig „auffällig“ war. Einfach zeigen dass es ganz normal ist. Daher würde ich auch nicht sofort verraten das es irgendwie auch um Trans* geht. Sondern die Leser auf dem selben Wissenstand lassen den ich selbst zu diesem Zeitpunkt hatte. Was in etwa bedeutet über 27 Jahre zu schreiben ohne es zu erwähnen. Vielmehr die Verwirrung und Suche nach dem Selbst darzustellen. Etwas Verzweiflung, die Flucht in das vorgegebene Bild und das ganz normale Leben. Denn es war ja nicht so dass ich jeden Tag meines Lebens mit der Frage gekämpft hatte. Es sollt ehrlich sein, so wie es mir wirklich ergangen ist.

Wie real ich es halte oder ob es doch anhand eines fiktiven Charakters besser ist muss ich mir noch überlegen. Die ersten Abschnitte hab ich dabei schon grob im Kopf. Nja, mal sehen ob es diesmal mehr wird als beim letzten mal. Ich halt euch auf dem laufenden sollte sich das was tun. Aber dann bitte nicht verraten um was in dem Buch eigentlich geht 🙂

eure Amelie