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Ein Brief an einen Freund

19 Jun

Wir hatten uns lange nicht gesehen. Und es ergab sich dadurch nie die Gelegenheit über mich zu sprechen. Jetzt 5 Jahre später hatten wir uns wieder gesehen. Und ja, meine Erscheinung ist wohl doch etwas anders als damals 😀

Er hat etwas zu knabbern an der Sache, aber tun wir das nicht alle?

[…]

Ich kann dich beruhigen.. die Akzeptanz, das Verständnis und die Toleranz die mir entgegnet wird ist derartig überwältigend dass es mir schwer fällt es in Worte zu packen. Mein Leben lang habe ich einen Teil von mir versteckt, vor anderen und auch vor mir selbst. Aus Scham, aus eigener Intoleranz gewachsen aus Unwissenheit und bis heute fehlenden Vorbildern die wirklich das wiedergeben dass ich wirklich bin.

Der schwierigste Teil dieser letzten Jahre waren nicht die anderen Menschen. Der schwierigste Teil war ich selbst. Angefangen von Selbstakzeptanz bishin zum Abbau von negativen Vorausahnungen wie andere wohl reagieren würden. Sie haben alle toll reagiert. Und auch wenn sie oder du vielleicht anfangs etwas an der Erkenntnis zu knabbern haben. Einfach nur weil man nicht weiß wie man damit umgehen soll. Weil man es einfach nicht kennt in unseren engstirningen Welt. So haben es alle deutlich schneller geschafft als ich selbst. Und vielen ist wohl bewusst dass es sie doch eigentlich gar nicht betrifft. Die Probleme und Herausforderungen liegen doch zu einem viel größeren Teil bei mir.

Ich habe gerade innerhalb der ersten zwei Jahre mich mehr mit meiner inneren Psyche und Identität beschäftigen können, als es viele sich in unserer Welt heute ihr ganzes Leben überhaupt trauen. Es ist viel einfacher sich den vorgegebenen Rollen anzupassen, sich anzugleichen und einfach dahin zu leben. Der Mut sich in das eigene Spiegelbild zu schauen und alles dies vorgegebene in Frage zu stellen, über Bord zu werfen, abzuschälen und die Person zu sehen die man eigentlich ist.. Dieser Mut ist nicht leicht. Und ich hab ihn mir nicht ausgesucht. Ich kam nicht mehr herum, mir blieb nichts anderes mehr übrig.

Wenn du den Moment erreicht hast an dem du die Selbstlüge nicht mehr erträgst. Dann wenn du jedes mal leidest wenn dich nach außen anders gibst. Dich verkleidest und anderen diese lebenslange Lüge vorspielst. Dann wenn du zu Hause zusammenbrichst weil dir das alles zu viel wird. Dann wenn du es nicht mehr wegdrücken kannst, es vor dir selbst zu verstecken. Wenn du gezwungen bist dich selbst als du selbst zu akzeptieren. Dann bist du an dem Punkt an dem Mut keine Rolle mehr spielt. Entweder man kämpft endlich dagegen an, oder wartet weitere Jahrzehnte in denen sich nichts ändert, außer das alles schwieriger wird.

Ich hatte nun also das Glück die eigene Lüge noch rechtzeitig zu durchdringen. So das ich mein Leben nun frei genießen kann. So das ich meinen Liebsten und Freunden in die Augen schauen kann ohne zu lügen. Und sie mich sehen, und nicht dieses seit kleinem perfekt eingespielte Bild von einer Person die ich nie war. Die vielleicht nett war und angenehm und keine Ahnung was. Aber sie war nur gespielt.. mit einer Perfektion dass ich schon selbst daran geglaubt hatte.

Wenn du mehr von meinem wahren Ich kennenlernen willst würde ich mich rießig freuen. Und scheue dich nicht davor Fragen zu stellen. Würde ich nicht erzählen was wirklich ist. Wie sollt ihr denn dann wissen wie es wirklich ist. Wie sollte sich die Gesellschaft ändern, wenn man die Wahrheit verschweigt und so tut als würde es Menschen wie mich nicht schon seit dem Ursprung der Menschheit geben?

[…]

 

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Fast 4 Jahre…

14 Dez

In etwa einer sind es 4 Jahre. Schwierige Jahre. Verdammt schwierige Jahre. Jahre in denen ich mich selbst kennenlernen durfte. Jahre die so viel erklärten was vorher unerklärbar schien. Jahre in denen ich meine tiefsten Punkte hatte, voll von Angst und Verzweiflung. Aber auch Jahre in denen ich das beste erfahren durfte, in denen ich Mut entwickelt hatte, Stärke. So hart es auch war, irgendwie konnte ich mich letztendlich durchkämpfen. Und jetzt fast 4 Jahre danach löst es sich langsam auf. Nicht die Stärke, sondern die Probleme. Ich komme in ganz langsamen Schritten wieder im Leben an.

Die Zeit in der ich mir Gedanken um das nächste Outing machen musste geht vorbei. Es sind nicht mehr viele übrig, die nicht Bescheid wissen. Und inzwischen fällt es mir ganz einfach es jemanden zu erzählen. Bisher hatte keiner negativ reagiert und selbst wenn es nun jemand tun würde, wäre es nicht wichtig. Dafür habe ich zu viele gute Freunde und meine wahnsinnig tolle Familie. Ich fühle mich immer mehr frei. Ohne die lästigen Ketten des Versteckens. Ich kann ich sein und muss immer weniger Menschen vorspielen jemand anders zu sein. „Jemand“ ist relativ, es bin immer ich, aber ich muss nicht mehr lügen, nichts mehr vorenthalten.

Heute war einer dieser Tage von denen ich gern meinem Ich vor fast 4 Jahren erzählen möchte. Ich möchte mich an dem Punkt der Erkenntnis, der Punkt mit der größten Angst, einfach nur in den Arm nehmen und erzählen dass alles gut wird. Dass es zwar dauern wird und hart wird, aber dass es alles gut wird. Ich würde mir erzählen das ich heute den ganzen Tag shoppen war, zusammen mit meiner Mum. Ein bisschen so wie früher als ich noch in der Schule war und wir Einkaufen gegangen sind. Und ich würde erzählen dass ich nicht mehr verstohlen in die Mädelsabteilung rüberkucken musste. Nicht zufällig rüberschleichen musste um nur mal zu schauen und dann so tun als hätte ich mich verlaufen. Nein, heute war ich nur in der Mädelsabteilung. Und nicht allein, zusammen mit meiner Mum. Und wir haben uns gegenseitig beraten ob Pullis, Shirts oder Kleider passen. Ich bin endlich angekommen wo ich vor über 15 Jahren schon hätte sein wollen. Auch wenn ich es damals so direkt nicht wusste, ist es ein einfach überwältigend schönes Gefühl.

Noch gibt es Einiges zu tun und zu lösen. Noch muss ich als „Mann“ zur Arbeit, die Anführungszeichen stehen dabei für meine androgyne Erscheinung *g. Noch habe ich nicht die Lösung wo/wie/wann ich eine Partnerin finden kann. Noch habe ich ein paar Outings vor mir. Aber um eine andere Metapher zu benutzen: Das Licht am Ende des Tunnels ist schon deutlich zu sehen. Es ist fast schon soweit nach der Sonnenbrille zu kramen um nicht geblendet zu werden. Und der Tunnel war lang, mindestens 4 Jahre lang. Vielleicht auch noch länger, so 15-20 Jahre. Seit dem Anfang der Pubertät, ab dem Moment an dem das eigene Geschlecht plötzlich eine entscheidende Rolle spielte. Umso größer ist die Erleichterung, gerade nach den letzten 4, dass ich bald ankommen kann.

Danke an Alle :*
Eure Amelie

 

Grinse Woche – Teil 2

24 Nov

Die Geburtstag bei meinem Freunden war jedenfalls nur der Start meiner noch anhaltenden Grinse-Woche. Unter der Woche lief es mit der Arbeit ganz gut. Ich konnte ein persönliches Projekt gut voranbringen. Der Umzug in ein anders Büro in der einen Firma erwies sich als besser als gedacht. Und woanders konnte ich etwas mehr Geld raus handeln. Nichts hatte meine Stimmung beeinträchtigt und so ging ich dann auch in den Freitag.

Freitag, der 22. November 2013. Ich hatte das zweite mal in knapp 3 Jahren einen Friseur-Termin. Und ich hab mich entschlossen wieder zu meinem alten Friseur zu gehen. Ich mochte den Laden immer nur war ich gerade Anfangs einfach zu unsicher. Aber an diesem Freitag bin ich hin, so wie ich schon immer hin sollte, als Frau, als ich. Ein bisschen aufgeregt war ich schon, aber letztendlich verlief alles super. Das Personal hat sich inzwischen leicht geändert und ich kam zu einer anderen Friseurin. Mein alter Friseur war auch da, da ich aber in einem anderen Raum war, hat er mich in der kurzen Zeit aber nicht gesehen also auch nicht erkannt. Kein merkwürdiges Gespräch, dafür endlich wieder richtig beim Friseur. Mit richtiger Beratung, Strähnchen-Färben, Kopfmassage beim Haare waschen, wieder ein guter Schnitt und mit gut frisierten Haaren raus. Die langen Haare machen sich da natürlich auch im Geldbeutel bemerkbar *g. Soviel hatte ich noch nie gezahlt, aber das ist keine Beschwerde, es war jeden Cent davon wert.

Und jetzt?

19 Sep

Vor einigen Wochen musste ich feststellen dass ich fast „durch“ bin, mit den Outings. Damit meine ich dass ich es schon so vielen erzählt habe, dass es eh eigentlich alle wissen. Ich hatte mir dabei viel Zeit genommen, da ich nicht das Gefühl hatte irgendetwas überstürzen zu müssen. So hatte ich auch jede Menge Zeit mich selbst zu finden, oder anders gesagt, mich immer genauer zu finden. Fortschritt hatte ich dabei aber immer irgendwie an den Outings festgemacht. Es war eins meiner wichtigen Ziele es „allen“ zu erzählen. Nun, jetzt hab ich das fast geschafft und steh plötzlich vor der Frage „Was jetzt?“.

Im ersten Moment hat mich diese Frage auch umgehauen. Im Sinne von totaler Begeisterung und gleichzeitiger Ratlosigkeit. Ich war mir nicht sicher was jetzt kommt. Wie es genau weiter geht. Weiter halt, aber was bedeutet das denn wiederum? Wie will ich mein Leben, meinen Alltag denn nun wirklich gestalten. Grundsätzlich bin ich ja immer noch bei meiner 80/20 Einschätzung. Ich fühle mich und bin zu 80% weiblich, und so 20% männlich. Was eine seeeeeeehr stark vereinfachte Ausdrucksweise ist! Aber man kann ja nicht immer das wibbelige-wobbelige Dings das sich Gender-Identität nennen mag in Worte fassen.

Wenn ich mich nun an den 80 zu 20 bzw. 4 zu 1 festhalte ist mein Ziel letztendlich, und nicht erst seit kurzem, mein Leben dem anzupassen. Wegen Arbeit und fehlenden Outings war das gelebte Verhältnis bisher eher 1 zu 4. Dass das auf Dauer immer unerträglicher wird will ich gar nicht erzählen. Ich bin auf der Suche nach einer Lösung. Und 100% weiblich immer und zu jeder Zeit scheint mir eben auch nicht richtig. Weil dann mach ich ja das gleiche wie vorher. Ich unterwerfe mich dem eingeschränkten Prinzip der Binarität. Aber die ist Quatsch! Es gibt mehr als nur schwarz und weiß. Und ich seh es nicht ein dieses völlig falsche Verständnis bedingungslos zu unterstützen. Ich suche meinen Weg. Und der liegt dazwischen, deutlich mehr auf der weiblichen Seite, aber eben immer noch dazwischen.

Ein nächster Schritt, einer der vor erst letzten zum Thema Outing, ist Facebook. Mir fehlen nur noch ein paar enge Freunde denen ich es persönlich erzählen und ggf. erklären möchte. Danach bin ich bereit es auch alle andere wissen zu lassen. Denn es soll jeder wissen so dass ich mir keine Gedanken mehr machen muss – bzw. vermutlich unnötig mache. Wie genau ich das mache, dass weiß ich allerdings noch nicht.

Eine intensive Woche

4 Aug

Die letzte Woche war in vielerlei Hinsicht intensiv. Ich hab 7 Outings geschafft. Yay! Und die Reaktionen haben mich umgehauen. Sie waren alle positiv, haben mich bestärkt und mir Mut gegeben. Das hat mich dazu gebracht etwas zurück zu sehen und mal grob nachzuzählen. Knapp 60 Menschen, Freunde, Bekannte, Familie hab ich eingeweiht, und alle waren positiv. Ich bin damit fast alle durch, alle meine Freunde stehen zu mir. Und diese Erkenntnis hat mich umgehauen, denn so ganz selbstverständlich ist das leider nicht. Aber es ist wahr und ich kann behaupten meine Freunde sind nicht nur Bekannte die ich öfters sehe. Nein, es sind wirkliche echte Freunde und ich unbeschreiblich glücklich.

Gestern Nacht hatte ich es nicht nur endlich nach langer Zeit geschafft einen lieben Freund einzuweihen, ich hatte auch mit einer Freundin ein längeres Gespräch. Spät abends nach der Party. Sie wollte mehr erfahren, wie es mir denn nun wirklich geht. Ich hatte schon lange nicht mehr ein so intensives Gespräch. So viele Emotionen die ich nicht mehr unterdrücken konnte. Die Probleme mit denen ich noch immer kämpfe kamen einfach nur so heraus. Meine kleine Fassade hinter der ich mich sonst im Alltag verstecke ist dabei einfach so dahingebröckelt. Es ging um Liebe, der Sehnsucht nach einer Partnerin, meine eigene Identität, wie ich mein Leben einteilen will und was vielleicht einfacher wäre, also ob es binär nicht einfacher wäre aber dass ich mich nicht in etwas hineinzwängen lassen will. Unser Gespräch hat so einiges an vernachlässigten Fragen aufgeworfen und mich zum Nachdenken gebracht.

Heute hatte ich dann auch einen richten Kater. Aber nicht durch Alkohol bedingt, ich hatte einen emotionalen Hangover. All die Fragen waren und sind noch immer in meinem Kopf. Meine Gedanken und Gefühle total aufgewühlt. Alles zwischen überglücklich und deprimiert war und ist heute dabei. Und eine dieser Fragen beschäftigt mich besonders: Soll ich, oder viel eher, wann höre ich auf zwischendurch Mann zu spielen? Anders gefragt soll ich „Vollzeit“ ich sein? Eine Frage wenn man sie so vor sich stehen sieht nicht mehr so leicht als solche zu erkennen ist.

Eigentlich ist es ein No-Brainer und die Antwort ist: Ja, so schnell wie möglich. Aber es nicht ganz so einfach. Es ist wieder ein Schritt. Ein Schritt der wieder Kraft kosten wird, so wie bisher alles so einiges an Kraft gekostet hatte. Es war es hundertmal wert, jedes einzelne Mal. Aber anstrengend ist es trotzdem. Meine Ex meinte in unserem allerletzten Gespräch, bevor sich unsere Wege für immer trennten, ich sei nicht so stark. Sie meinte ich würde es nicht schaffen. Aber wisst ihr was? Ich kann es! Ich hab jetzt schon so viel geschafft, alles andere werde ich auch schaffen. Bald hab ich es allen erzählt und dann wird sie mitbekommen dass sie sich geirrt hat. Ich werde bald aufhören mich zu verstecken, mich zu verheimlichen, denn wissen tun es bald eh alle. Und wenn es kein Geheimnis mehr ist wird sie sehen dass ich es geschafft hab. Aber tue ich es aus diesem Grund? Nein. Ich kämpfe um mein Leben nicht deswegen, ich kämpfe darum um meines eigenen Willens. Der Wille glücklich sein zu können.

Einige dieser Fragen von gestern Nacht werde mich noch einige Zeit begleiten. Und auch wenn es etwas dauert, es werden sich Antworten dafür finden, da bin ich mir sicher.

 

 

Mein Status Quo

5 Feb

Gerade sitze ich Flugzeug zurück von Australien nach Deutschland. Zurück von Wochen voller Genderfreiheit an denen ich einfach nur ich sein konnte. Und vor diesen Wochen hatte ich mir eine Art Ziel gesetzt: ich wollte in mich gehen und herausfinden ob ich wirklich tun möchte was sich seit einigen Monaten immer fester in mehr festsetzt. Seit einigen Monaten überlege ich Hormone zu nehmen. Mit der Entscheidung lass ich mir selbst bewusst viel Zeit, weil ich mir sicher sein will dass es das Richtige für mich ist.

Bisher bin ich so ganz gut zurechtgekommen. Zugegebenermaßen hilft mir mein Körper mit unter 1.70m, Schuhgröße 38, geringen Bartwuchs und auch sonst eher zierlicher Figur, schon ungemein. Ich bin jetzt 29 und langsam machen sich Erscheinungen von männlicher Alterung breit. Das bringt mich um den Verstand! Wieso tut mir mein Körper das an. Wann immer ich etwas entdecke wie doch mehr Bartwuchs/Bartschatten oder das langsame Ausweiten Geheimratsecken und allgemein lichterem Haar, krieg ich die Krise! Ich hab immer mehr Angst vor männlichem Älterwerden. Das Problem ist nicht zu altern, das Problem ist dass mein Körper falsch altert. Ich kann mir nicht vorstellen ein alter Mann zu werden. Das passt nicht in mein Selbstbild. Das kombiniert mit dem allgemeinen Wunsch femininer zu sein. Dem Wunsch das mein Äußeres mehr meinem Inneren entspricht. Das lässt mich inzwischen sehr intensiv über Hormone nachdenken. So weit dass ich bereit bin die nächste Schritte zu unternehmen, wieder mit meiner Psychologin zu sprechen.

Anders kommt man ja nicht wirklich an eine vernünftige Hormonbehandlung. Und allgemein interessiert mich ihre Meinung – ohne mich davon unbedingt beeinflussen zu lassen. Aber eine neutrale Meinung ist nie verkehrte. Freunde und Familie sind dafür leider nicht neutral genug. Entweder sie wollen einen vor möglichen Folgen beschützen oder einfach nur loyal unterstützen, egal was komme.

Knackpunkt in meinem »Werdegang«, oder wie man es auch immer nennen mag, war der Zeitpunkt als ich merkte dass wenn ich die Wahl habe, ich immer die weibliche Seite wähle. Siehe Burns, da ist es egal ob ich Mann, Frau oder was dazwischen bin. Befreit von der Qual des Passings will ich trotzdem immer Frau sein. Es wäre dort absolut kein Problem nur ein Mann zu sein der seine weibliche Seite ausdrücken möchte. Auch Bi-Gender, Genderfluid, mal ein Tag so, der andere so… Das wäre alles kein Problem. Trotzdem wähle ich jeden Tag das gleiche – ich wähle die weibliche Seite. Und meine männlichen Eigenschaften verblasen einfach so im Hintergrund. Das war nicht nur einmal so, das war jetzt immer so wenn ich die komplette Freiheit dazu hatte. In einer idealen Gesellschaft wäre ich einfach ich. Da wäre es wie bei einem Burn. Aber in dieser Gesellschaft leben wir leider (noch) nicht.

Ein zweiter meines »Status Quo« ist dass ich absolut keine Lust mehr habe mich zu verkleiden. Diese Rolle zu spielen. Egal wie gut ich es inzwischen kann, will ich einfach nicht mehr Tag ein Tag aus die Menschen um mich herum anlügen. Seit dem ich ein paar Jahre alt bin wurde mir von der Gesellschaft – nicht einzelnen Personen – der Gesellschaft als Ganzes vorgeschlagen ich sollte Mann bzw. Junge spielen. Und ich war immerhin so gut, das es so gut wie niemand entdeckte. Mein Geheimnis das ich eigentlich ein Mädchen war, konnte ich Jahrelang für mich behalten, für mich allein.

In den letzten beiden Jahren habe ich nun immer mehr Menschen, Freunde und Familie eingeweiht. Oh man, ich kann euch sagen, dass tut so unheimlich gut. Diese Last die von den Schultern fällt. Die sich ergebenen Gelegenheiten einfach ich selbst zu sein, sind es alles wert. Aber dennoch gibt es noch genügende die nichts davon wissen. Und ja, die sollen es auch wissen. Alle sollen es wissen, alle sollen die Chance bekommen mich wahrhaft kennenzulernen. Und nicht nur diese Hülle die mich Jahrelang umgeben hat. Es wird Zeit diese Hülle endgültig aufzugeben. Also das »totale« Outing. Das steht auch auf meinem Plan. Wenn es sich ergibt schon irgendwann dieses Jahr. Früher oder später ist egal, aber ich werde es tun. Davor muss ich noch ein paar enge Freunde direkt einweihen und dann wird es passieren. Ich weiß es, ich will es und ich werde es tun 🙂

Kurzmitteilung

1 Wochenende

3 Dez

1 Wochenende
– 1 Bruder wieder in der Stadt
– 2 erfolgreiche Outings
– 1 Liebe verloren und 1 emotionaler Ausbruch
– 1 Blackout und 1 Magen kaputt
– 1 Leben neuausrichten