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Weihnachten

1 Jan

Das war dieses Mal ein Chaos. Und ich war kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Angefangen hatte alles mit einer Nachricht meines Vaters. Meine Mum hatte einen Unfall, ist im Krankenhaus, mehr wusste er aber auch noch nicht. Etwas später konnte ich sie erreichen, aber es war noch nicht klar was ist. Sie ist mit dem Fahrrad hingefallen und hatte sich an Kopf und Knie verletzt. AUWEH. Naja, aber erstmal schauen. Vielleicht ist es ja nur geprellt? Ein paar Stunden später kam das Ergebnis. Vonwegen Prellung, es war ein komplizierter Bruch im Bein. Und das musste operiert werden. SHIT! Muss dass denn sein?

Das wir ein paar Tage später shoppen gehen wollten war schade – also das es nicht dazu kam – aber viel schlimmer war die Vorstellung dass sie bis Weihnachten im Krankenhaus sein könnte. Erstmal konnte ich nichts machen, außer täglich nachfragen und mich selbst mit Arbeit ablenken. Am Wochenende dann besucht, Schuhe gebracht und überlegt wie wir Weihnachten über die Bühne kriegen können. Mein Dad und ich würden das meiste übernehmen, Onkel und Tante mit einspringen und ich dann noch am 2. Feiertag was für die ganze Familie kochen. Kriegen wir schon hin.

Sonntag, irgendwann gegen 22h. Mein Dad schreibt mir dass er wieder so einen Fleck im Auto hat und am Montag zum Arzt. Im Sommer war das schonmal, und da waren es ein paar Tage Krankenhaus. DAS KANN DOCH WOHL NICHT SEIN? Und alles an Weihnachten? Ich wurde langsam immer nervöser. Am Montag Mittag wollte meine Mum dann Weihnachten schon absagen. Etwas dass jetzt gar nicht geht, hab ich beschlossen. Ich mit meiner schleichenden Depression, dem Stress die letzten Tage und überhaupt. Ich brauche Weihnachten. Dass am Ende des Jahres auch noch zu vermissen, wäre gar nicht gegangen.

Während ich noch mit Kollegen darüber diskutiere dass Weihnachten ja wohl nicht abgesagt werden kann, ereilte mich dann die nächste Nachricht. Am 22. Dezember wohlgemerk. 2 Tage vor Weihnachten. Eigentlich mein 5. Geburtstag (yay). Und dann auch noch das: eine gute Freundin schreibt mir dass sie ihr Kind in der Schwangerschaft verloren hat. Sie ist gerade auf dem Weg zum Arzt zum »Ausschaben«. WAAAAAAAAAh. Das geht doch nicht. Es ist doch Weihnachten!?

Meine Kollegen konnte mich am Rande des Wahnsinns werden. Den nächsten Tag habe ich mir dann schonmal vorsorglich freigenommen. Auto besorgt usw. Schließlich stand das Ergebnis der Augenuntersuchung + ambulanten Lasern noch aus. Ein paar Stunden mit Arbeit ablenken, dass war die einzige Lösung. Und dann kam zum Glück endlich die erlösende Nachricht. Mit dem Auge ist soweit alles in Ordnung. Mein Dad kann nach Hause und Weihnachten ist gerettet 🙂

Wie geplant haben wir alles eingekauft, vorbereitet, meine Mum abgeholt, aufgeräumt, geputzt, Weihnachten gefeiert und Omas bekocht. Natürlich waren wir froh als alles vorbei war. Aber es hat sich gelohnt. Und wenigstens Weihnachten durfte ich dieses Jahr doch noch behalten.

Über Weihnachten

18 Jan

Vor ein paar Wochen war ja Weihnachten. Seit dem bin ich leider nicht wirklich zum Schreiben gekommen, aber da gibt es etwas nachzuholen…

Weihnachten war die letzten Jahre für mich immer eine recht emotionale Zeit. Und zwar ganz auf mich selbst bezogen. Schließlich hatte ja vor 4 Jahren alles kurz vor Weihnachten angefangen. Dadurch hatte ich mich schon in den ersten Tagen damit beschäftigt wie das alles mal funktionieren soll. Genau gesagt konnte ich mir damals in keinster Weise vorstellen was später kommen sollte. Nicht was mit mir ist, und nicht wie Weihnachten 2013 aussehen wird. 4 Jahre vorher war alles noch so unvorstellbar, das Einzige was ich bis dahin kannte war die Verdrängung. Alles wegdrängen, tief in mir verstecken. Am besten so tief dass ich es selbst für ein paar Wochen oder Monate vergesse. Und das immer und immer wieder, solange es sein sollte.

Aber das hatte sich ja plötzlich geändert, und so saß ich da am Weihnachtstisch, neben dem Weihnachtsbaum, hab Geschenke ausgepackt und konnte doch an nichts anderes denken als was kommen wird. Die Jahre darauf stellte sich die Frage ob ich jemals ich selbst sein werde? Auch an Weihnachten, auch in der Familie? Und selbst nachdem Bruder, Mutter und Vater es soweit gut aufgenommen hatten, schien es doch unmöglich und unvorstellbar. Ein ferner Traum der mehr wie eine Fata Morgana am Horizont lag aber nie erreicht werden könnte.

Dieses Jahr (also 2013) geschah allerdings etwas besonderes. Nicht nur dass das ganze Jahr so unvorstellbar gut war und der Herbst überwältigend, sondern auch diese Weihnachtstage mit der Familie. Am 24. Dezember sind wir immer alle zusammen, und ich hatte mir fest vorgenommen meine Tante & Onkel einzuweihen. Ich seh sie nicht oft, eigentlich hauptsächlich an Weihnachten und war mir nicht sicher wie sie reagieren werden. Und nicht nur ich war gespannt, alle die es bereits wussten, wussten auch was ich dieses Jahr vor habe. Eine gewisse Spannung lag also in der Luft. Nicht negativ, nur die kleine Aufregung über das ungewisse was passieren wird. Nachdem Oma und Opa wieder zu Hause waren, waren wir nun unter uns. Mum, Dad, Bruder, Cousin und die beiden. Der Zeitpunkt war gekommen, endlich keine Geheimnisse mehr in der Familie zu haben. (Warum Opa & Oma eine Ausnahme sind, hab ich glaub ich schon mal erklärt)

Zuerst hab ich mich zu meiner Tante in der Küche gesetzt. Sie ist die einzige die raucht und geht daher öfters mal für ein paar Minuten oder länger alleine dahin. (Dunstabzug um den Rauch wegzusaugen). Da hab ich mich neben ihr gesetzt und meine besten Outing-Künste zusammengenommen um ihr zu erzählen was mit mir so vorgeht. Die Reaktion? Hey, perfekt und ein First. Sie meinte sie hätte sich schon länger so was gedacht, und auch schon mit meinem Onkel mal darüber gesprochen. Und das es natürlich kein Problem sei, ganz im Gegenteil. Irgendwann im Gespräch kam meine Mum dazu und wir sprachen zu dritt darüber. Auch das es nicht immer leicht ist. Das wunderschönste dabei war ein Satz der in etwa so ging: „Da haben wir doch noch ein Mädel unter uns.“. Und beide stimmten sich zu dass das etwas wunderschönes ist. Ich für meinen Teil war vor Glück den Tränen nahe und bin’s auch jetzt wenn ich darüber nachdenke.

Etwas später haben alle zusammen geholfen meinen sehr gesprächigen – und daher oft und lang in Gesprächen festsitzenden – Onkel für einen Moment mit mir alleine zu lassen. Auch das war rührend wie alle versucht haben mir zu helfen. (Best Family ever!). Nun ja, das Gespräch selbst ging dann relativ einfach von den Lippen. Schließlich wusste ich ja inzwischen das er mit meiner Tante schon mal darüber gesprochen hatte. Auch hier dementsprechend keine Probleme und für ihn typisch haben wir dann über die Herausforderungen die es mit sich bringt gesprochen. Das es nicht einfach ist, was man alles tun kann/muss/will und das ich immer auf sie zählen kann 🙂

Zu Ende ging der Abend/Nacht dann damit das ich mit meiner Mum bis in der Früh um 6 Uhr da saß, Wein getrunken wurde und wir über alles mögliche gesprochen haben. Unter anderem auch dass das ja alles nicht so schlimm ist. Und andere Dinge die im ersten Moment banaler schienen, tatsächlich doch größere Probleme wären. Wir kamen auch so weit dass sie überlegen es in ihrem Freundeskreis zu erzählen. Etwas das vor ein paar Monaten noch wie ein No-Go für sie schien.

Am nächsten Morgen, dem 1. Feiertag hab ich dann auch gleich vorsichtig etwas mehr von mir gezeigt. Statt Pulli + Jeans hatte ich ein Wollkleid, Strumpfhosen und Stulpen an. Nichts aufregendes aber ein wunderschönes Gefühl. Ich konnte das erste mal in diesen 4 Jahren am weihnachtlichen Frühstückstisch sitzen und einfach nur ich selbst sein. Keine Gedanken und Überlegungen wie es sein könnte, sondern tatsächlich leben wie es ist. Mein Leben mit meiner Familie leben. Nichts verstecken. Nichts verheimlichen. Nichts befürchten. Frei von all diesen Sorgen und wissen das egal was wo und wie auch immer passieren würde, ich die beste Familie habe die ich mir nur vorstellen könnte ❤

 

Weihnachten

25 Dez

Weihnachten ist nicht so ganz einfach. Klar, mein Outing hab ich bei den meisten schon durch. Oma’s und Opa’s an die Neunzig mal ausgenommen, wissen es die meisten. Trotzdem ist es selten ein Thema, und ansprechen ist auch nicht mein Ding. Wegen den angesprochenen Oma’s und Opa’s versuch ich auch gar nicht wirklich meine weibliche Seite stark hervorzuheben. Wahrgenommen wird immer noch mein altes männliches Ich, bzw. das Bild davon das ich über Jahre entwickelt hatte.

Einfach ist es aber halt nicht. Grade Geschenke bieten Potenzial für geheime Enttäuschung. Das „Axe – Travelkit“ ist gut gemeint, eine tolle Idee da ich bald wieder weit reise, und wunderbar, aber Axe benutze ich schon lange nicht mehr. Mein inneres Ich, meine innere Identität, die in mir lebt und keinen sehnlicheren Wunsch hat als nach außen zu kommen, fühlt sich da etwas zurückgestoßen, auch ohne das eine Absicht dahinter steht. Immer mehr merke ich wie ich innerlich zusammenzucken wenn ein „er“ oder „ihm“ kommt oder wenn mein quasi alter Name benutzt wird. Es ist kein Vorwurf den ich jemanden machen würde, weil ich ja nicht wirklich danach gefragt hatte, aber dieses innere wiederholen „sie“, „ihr“, „Amelie“ wird immer stärker.

Davon das ich an Weihnachten viel lieber ein schönes Kleid anziehen würde, will ich erst gar nicht reden. Ich wär erstmal mit viel weniger zufrieden. Aber zwischen dem was ich möchte (und noch nicht aktiv fordere) und der aktuellen Wirklichkeit steht noch ein riesiger Unterschied. Heute hatte ich ein kurzes Gespräch mit meiner Mum über meine Haare. Ob ich denn nicht mal zum Friseur gehen möchte (ich war mal ewig nicht). „Ich war im Oktober, schau mal, ich hab überhaupt kein Spliss“. Die Reaktion war eher verhalten und in Richtung „Ich dachte eher du lässt sie wieder kürzer schneiden“. Nicht wörtlich, aber der Sinn war mir klar.

Seit meinem Outing hatten wir kaum bis gar nicht über das Thema gesprochen. Und ich muss feststellen dass ich mich doch etwas weiterentwickelt habe. Hormone sind inzwischen deutlich weniger als ein Nogo, viel mehr ein zu überlegendes Ziel. Die größte Sorge meiner Eltern -> Enkelkinder, soll davon nicht betroffen sein. Dafür kann man vorsorgen, aber das ist glaub nicht ganz das was sie sich darunter vorstellen.

Aber letztendlich geht es eben um mich. Und ich werde weiter eines verfolgen, mein inneres Ich mit meinem restlichen Leben in Einklang finden. Ohne jemanden etwas vorzuspielen. Ich will einfach nur ich sein, und so wie ich bin akzeptiert und geliebt werden. Ob das so je an Weihnachten geschehen wird, sei mal dahingestellt.

.Amelie